PROJEKTE
Unerhört - Eine Videoserie für die taz
Im Vorfeld der Bundestagswahl habe ich zusammen mit der taz-Onlineredaktion eine Video-Serie realisiert, die mir schon seit einiger Zeit vorschwebte. Inspiriert von den großartigen OnBeing-Stücken in der "Washington Post" habe ich nach einer Gelegenheit gesucht, Leute drei bis vier Minuten lang eine Stimme zu geben, einen Platz einzuräumen, ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. Das traf sich gut mit der Idee der Redaktion, in dem oberflächlichen Bundestagswahlkampf gewichtigen Stimmen aus der Zivilgesellschaft ein Forum zu geben und zu sagen, worum es wirklich gehen müsste. Insgesamt sind 17 - wie ich finde - sehr interessante Portraits herausgekommen (oder sollte man sie lieber Video-Essays nennen?) und jedes Mal habe ich dabei eine Menge gelernt. Zu sehen sind sie bei der taz weiterhin hier und auf meinem Youtube-Kanal.
Für Interessierte noch ein Wort über das Technische. Ich habe mit einer JVC HM-100 gefilmt und versucht, den Aufbau so einfach (und so billig) wie möglich zu halten. Als Hauptlicht diente meine Rifa 44 mit Grid, damit so wenig wie möglich Streulicht auf den Hintergrund fällt. Um den Hintergrund weiß zu bekommen, habe ich zwei 500-Watt-Bauleuchten verwendet, deren Licht ich mit entsprechender blauer Folie auf Tageslicht gebracht habe. Das hat es mir erlaubt, die Gesichter etwas wärmer zu graden, obwohl ich gestehen muss, dass es mir nicht in allen Fällen gut gelungen ist. Ich brauche dringend wieder einen farbkorrigierten Monitor... Als Hintergrund diente knapp drei Meter breites Seamless Paper und gesessen haben die Protagonisten auf einem Barhocker von Ikea. Für den Ton habe ich ein Countryman EMW Lavaliermikrofon verwendet, das ich direkt per Kabel in meinen Mixer geschickt habe. Und fertig war das Studio in meinem Gästezimmer. Länger als 20 Minuten durften die Interviews in der Regel allerdings nicht dauern, dann hatten die Baustrahler den Raum zu sehr aufgeheizt.
Im Durchschnitt haben die Videos auf dem Youtube-Kanal der taz so 3.000 Views bekommen, was wohl in etwa der Klickrate einer normal frequentierten taz-Webseite entspricht. Nicht schlecht, aber auch nicht so supertoll, dass die taz mit einer ähnlichen Portrait-Serie unbedingt weitermachen wollte. Obwohl ich ja finde, dass sich das gerade in Berlin zwingend aufdrängt. Typen, die eine tolle Geschichte zu erzählen haben, gibt es jedenfalls genug in dieser Stadt. Ich habe die Serie zum Grimme Online Award eingereicht, bin gespannt, was die Jury denkt.
