Die Klima-Allianz

MIT ERFINDERGEIST GEGEN DEN KLIMAWANDEL

Von Matthias B. Krause

 

Dass sich sein Erfindergeist gelegentlich gegen ihn wendet, weiß Kolja Kuse seit seiner Kindheit. Zu Besuch bei Verwandten im Schwarzwald, bekam er einst die strenge Anweisung, die Finger von der Angel zu lassen. Das Spiel der Forellen im nahen Fluss war für den jungen Kolja jedoch so unwiderstehlich, dass er stundenlang am Wasser saß und sie beobachtete. Er fand heraus, dass sie sich, wenn sie erschrecken, auf der Leeseite der Strömung unter Steinen verstecken. Mit unendlicher Geduld gelang es ihm schließlich, die Fische mit der Hand zu fangen. Doch als er stolz sechs Stück zum Abendbrot nach Hause brachte, setzte es ein Donnerwetter. Der Onkel war nicht böse, dass der Junge die Fische ohne die notwendige amtliche Erlaubnis zu besitzen gefangen hatte – er fühlte sich schlicht veräppelt. Denn die Erklärung Koljas, er habe wie befohlen die Angel nicht angerührt, hielt er für eine dreiste Lüge. Forellen mit der Hand fangen? Das geht doch gar nicht.


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Vanity Fair

SECHS FÜR VIER MILLIONEN

Washington droht am 20. Januar unter dem Ansturm der Massen zu kollabieren. Vier Millionen Besucher werden erwartet, um ein Ereignis zu feiern: die Amtseinführung von Barack Obama. VANITY FAIR hat sechs Menschen getroffen, die das größte politische Spektakel in der Geschichte der USA zu einer gelungenen Party machen sollen.

 

Von Matthias B. Krause - Fotos: Samantha Appleton

 

Noch ist wenig zu spüren von dem Beben, das hier in wenigen Tagen wüten wird. Die amerikanische Hauptstadt Washington erwacht nur langsam aus ihrem Winterschlaf. Gerade sind die Politiker und die Verwaltungsangestellten aus ihrem Weihnachtsurlaub zurückgekehrt. Die Polizeibeamten, die die Touristenströme am hohen schwarzen Metallzaun in der E Street vorbeischleusen, frösteln in der Wintersonne.

       Aber in der nahe gelegenen Pennsylvania Avenue, die das Kapitol und

das Weiße Haus verbindet, errichten Bauarbeiter schon alle paar Meter kleine Tribünen – erste Anzeichen der Parade, die hier am 20. Januar vorbeiziehen wird. Vier Millionen Menschen, glaubt Washingtons Bürgermeister Adrian Fenty, würden zur Amtseinführung von Barack Obama in seine Stadt strömen. Alle wollen sehen, wie der erste Afroamerikaner in der Geschichte des Landes an der Westseite des Kapitols um zwölf Uhr mittags die Macht übernimmt. Selbst wenn nur die Hälfte kommt, wird es die größte politische Party, die je in den Vereinigten Staaten stattgefunden hat – und ein Rekord für die Amtseinführung eines amerikanischen Präsidenten. Die bisherige Bestmarke hält Lyndon B. Johnson, zu dessen Vereidigung 1965 rund 1,2 Millionen Menschen angereist waren.

 

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Kleine Anmerkung am Rande: Die Kollegin Appleton ist mittlerweile Michelle Obamas persönliche Fotografin und steuert ihre Bilder unter anderem zum offiziellen Fotostream des Weißen Hauses bei.

Der Tagesspiegel

FEUER UND ASCHE

Zementstaub, Asbest, Furane und Dioxine – die Giftwolke von Ground Zero machte Frank Bazzicalupo krank. Er beklagt es nicht. Er ist Firefighter.

 

Von Matthias B. Krause, New York

 

Die Terrasse der „Sunset Cove ” ragt ein gutes Stück in den Hudson River hinein. An den großen runden Tischen unter den Sonnenschirmen verlieren sich ein Rentnerpaar und zwei Geschäftsmänner, die mit „Penne Vodka “, Burger und Bier ihre Spesen durchbringen. Durch den hellgrauen Himmel sticht die Septembersonne, die Wellen plätschern leise, und zwischen den Beinen der Tappan Zee Bridge im Süden lässt sich in 40 Kilometern Entfernung die Skyline Manhattans erahnen. Eine Mittagsidylle. Doch das ist es nicht, was Frank Bazzicalupo sieht. Er sieht eine Einflugschneise für Flugzeuge, die sich in Bomben verwandeln. Er sieht Zwillingstürme, aus denen Rauch aufsteigt. Er fühlt einen unsichtbaren Ring um die Brust, den er mit jedem Atemzug dehnen muss.


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Der Tagesspiegel

DER AMERIKANISCHE HÄUSERKAMPF

Sie waren dumm, schwarz oder arm – und sie glaubten ihren Kreditvermittlern. Nun wanken Banken und Börsen auf der halben Welt.

 

Von Matthias B. Krause, Columbus, Ohio

 

Von all den Geistern, die nachts in seinem Kopf herumfuhrwerken, ihn nur zwei, drei Stunden schlafen lassen, sind die am schlimmsten, die ihn an seine beiden Kinder erinnern. „Ich kann sie nicht sehen, sie können mich nicht sehen. Sie bekommen den Eindruck, dass ihr Vater nichts hinbekommt, ob sie wollen oder nicht. In ihren Augen bin ich ein Versager.“ Jeremiah Baldwin steht inmitten eines Raumes, von dem man sagen könnte, er sei eine Baustelle. Aber das hieße, dass es hier irgendwann weitergeht. Dass die nackten Rigipswände verspachtelt und gestrichen werden, dass im Kamin wieder ein Feuer brennt, dass die Dielen unter den Holzplatten geschliffen und versiegelt sind. Dass jemand die Vorhänge aufzieht und die Fenster öffnet, Licht hereinlässt und frische Luft.

 

(Anmerkung: Ich wünschte, die Redaktion hätte im Vorspann "naiv" statt "dumm" geschrieben - aber auf so etwas hat man als freier Autor leider keinen Einfluss.)

 

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Stern.de

GESAMMELTE WERKE

Nachdem die Suchmaschine auf der Seite von Stern.de jahrelang grottenschlecht war, kann man nun endlich auch dort meine gesammelten Werke abrufen - und zwar hier. Zu der Geschichte über die Führer von Ground Zero existiert leider das Video nicht mehr, das ich auch gedreht habe. Werde es bei Gelegenheit mal von Hand hier einstellen. Von den Aufsagern, die ich mit Stern-Korrespondentin Katja Gloger während der Parteitage der Demokraten und der Republikaner produziert habe, lässt sich nur noch eins finden - natürlich das schwächste...

Update: Die Füherer von Ground Zero in der Fassung, wie sie bei stern.de erschienen sind: